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Krank in die Arbeit – ist das wirklich sinnvoll?

Gerade in der kalten Jahreszeit kann es vorkommen, dass man sich gelegentlich nicht ganz fit fühlt, aber für eine Krankmeldung auch nicht krank genug. Die Folge: man schleppt sich angeschlagen ins Büro. Oft steckt der Gedanke dahinter, dass man ja dem Arbeitgeber mehr bringt, wenn man trotzdem arbeiten geht, als wenn man zu Hause bleiben würde. In der Fachsprache wird dieses Verhalten Präsentismus genannt.

Aber wer so denkt irrt! Cooper & Dewe (2008) beispielsweise errechneten, dass die Kosten durch Präsentismus 1,8 mal höher seien als durch Absentismus, also dem Fernbleiben vom Arbeitsplatz. Stewart et al. (2003) konnten zeigen, dass es in Organisationen zu Produktivitätseinbußen von 29% aufgrund von Krankenständen kommen kann. Im Vergleich dazu sinkt jedoch die Leistungsfähigkeit von kranken Personen während der Arbeitszeit um bis zu 71%!

Die Folgen von Präsentismus

Langfristig gesehen tuen sich jene MitarbeiterInnen, die trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung zur Arbeit gehen, aber auch selber nichts Gutes! Forschungsergebnisse haben nämlich gezeigt, dass zum Beispiel MitarbeiterInnen ohne Krankenstand bereits nach 3 Jahren ein doppelt so hohes Risiko aufwiesen, eine Herzerkrankung zu erleiden als MitarbeiterInnen, die im Krankheitsfall tatsächlich zu Hause blieben (Kivimäki et al., 2005). Ebenso erhöht sich durch gehäuften Präsentismus das Burnout Risiko (Demerouti et al., 2008). Weiters konnte gezeigt werden, dass Präsentismus auf lange Sicht die Anzahl an Krankenstandstagen deutlich erhöhte (Taloyan et al., 2012).

Für Präsentismus besonders anfällige Angestellte sind überwiegend Frauen mit einem allgemein schlechten Gesundheitszustand, die durch die Familie stark beansprucht werden und bereits in der Vergangenheit häufiger im Krankenstand waren. Ihre Tätigkeit ist zumeist gekennzeichnet durch eine Teilzeitanstellung mit hohem Zeitstress und Arbeitsaufkommen. Zudem ist ihre Arbeit von einem schlechten Betriebsklima und einer hohen Arbeitsplatzunsicherheit geprägt. 

Ebenfalls als Indikator für Präsentismus ist die Arbeit in Teams: hat man das Gefühl, die KollegInnen müssten im Krankheitsfall die eigene Arbeit mitmachen, entscheiden sich Angestellte viel häufiger dazu, krank in die Arbeit zu kommen, als ihren KollegInnen die Mehrarbeit aufzubürden. In einigen Fällen wird Präsentismus auch als ein Zeichen von übermäßiger Leistungsmotivation gesehen.

Leaveism – der „missing link“ zwischen Krankenstand und Präsentismus

MitarbeiterInnen entscheiden sich im Krankheitsfall jedoch nicht nur zwischen Krankenstand oder Präsentismus. Einige wählen auch die Variante lieber Urlaub bzw. Zeitausgleich in Anspruch zu nehmen. Auf diese Art und Weise können sie der Arbeit fernbleiben ohne offiziell krankgemeldet zu sein. Die vermuteten Gründe hinter dieser Strategie dürften wohl am ehesten mit Angst vor Arbeitsplatzverlust, einer Arbeitsüberlastung oder einer restriktiven Krankenstandsregelung im Betrieb erklärt werden.

Egal aus welchem Grund: Präsentismus und Leaveism sind nicht gesund! Achten Sie auf Ihre MitarbeiterInnen! Denn auch das Unternehmen hat, wie gezeigt, nichts von kranken MitarbeiterInnen, die in die Arbeit kommen. Und Sie wollen doch sicher auch, dass Ihre MitarbeiterInnen den Urlaub für tatsächliche Erholung nützen können anstatt ihn zur Kurierung von Krankheit zu verwenden.  

Tipps und Tricks um Präsentismus vorzubeugen

  1. Achten Sie darauf, dass die MitarbeiterInnen Ruhephasen einhalten können. Dazu zählt unter anderem auch eine Regelung, wonach MitarbeiterInnen am Feierabend oder am Wochenende nicht immer erreichbar sein müssen.
  2. Führen Sie definierte Vertretungsregelungen für MitarbeiterInnen, aber auch für Führungskräfte ein. Wenn ArbeitnehmerInnen das Gefühl haben, dass die Arbeit auch erledigt wird, selbst wenn sie einmal krank sind, erlauben sie sich viel eher zu Hause zu bleiben.
  3. Vermeiden Sie zweideutige Aussagen gegenüber den MitarbeiterInnen, wie beispielsweise: „Es ist in Ordnung, wenn du im Krankheitsfall zu Hause bleibst“ aber „es wäre schön, wenn du trotzdem kommst“.
  4. Führungskräfte sollen aktiv ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und selber ebenfalls zu Hause bleiben, anstatt sich mit z.B. Schüttelfrost in die Arbeit zu schleppen.

 

Selbsttest für Präsentismus

Überprüfen Sie hier, inwieweit Sie bereits von Präsentismus betroffen sind!

 

Wie oft ist es bei Ihnen in den letzten 12 Monaten vorgekommen, dass Sie…

… zur Arbeit gegangen sind, obwohl Sie sich richtig krank gefühlt haben?

… zur Genesung bis zum Wochenende durchgehalten haben?

gegen den Rat des Arztes Ihrer Arbeit nachgegangen sind?

… zur Genesung Urlaubstage genommen haben?

… sich vom Arzt ein Medikament verschreiben ließen, um fit für die Arbeit zu sein?

 

Was kann ich tun um gesund zu bleiben?

  1. Ehrlich reflektieren: Wann mache ich das? Warum?
  2. Gemeinsam im Team klären: Wissensmanagement für ungeplante Abwesenheiten
  3. Auf KollegInnen achten und ansprechen, wenn sie krank aussehen.
  4. Anderen kein schlechtes Gewissen machen, wenn sie krank sind.
Christiane Heider

Meine Ausbildungen:

  • * Zertifizierte Arbeits- und Organisationspsychologin
  • * Zertifizierte Klinische und Gesundheitspsychologin
  • * Zertifizierte Notfallpsychologin
  • * Systemischer Coach
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