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Gesunde Arbeit: "Arbeitszeiten am Bau – eine psychische Belastung"

Nachtarbeit, Saisonarbeit oder auch Dienstbeginn, wenn andere noch schlafen – es gibt viele Arbeitszeitmodelle, die in der Baubranche zum Alltag gehören. Bei einigen Rahmenbedingungen bräuchte es einen Kulturwandel, um die Gegebenheiten nicht als unveränderlich hinzunehmen.

Niemand wird heutzutage mehr abstreiten, dass Schicht- oder Nachtarbeit auf Dauer gesundheitsgefährdend und leistungseinschränkend ist. Dennoch ärgern wir uns über Zugverspätungen aufgrund von Gleisarbeiten oder Staus auf dem Weg zur Arbeit wegen einer Autobahnsanierung. Die Evaluierung der psychischen Belastungen rückt das Thema aktuell wieder in den Fokus. Eingesetzte Instrumente messen, ob regelmäßig Überstunden anfallen, ob Dienste langfristig im Voraus geplant werden oder ob Wünsche bei der Schichtplanung berücksichtigt werden.

Pausenzeiten als Tabu für BauleiterInnen

Sie werden noch spätabends angerufen, haben hohen Zeitdruck durch enge Deadlines, viele parallele Projekte und gleichzeitig hohe Verantwortung. BauleiterInnen sind eine stark beanspruchte Führungsebene. All-in-Verträge verführen häufig dazu, dass Mehrarbeit als selbstverständlich angesehen wird. Vielleicht führt eine finanzielle Vergütung zu hö- herer Akzeptanz langer Arbeitstage, aber nicht zu einer besseren Erholung. Daher sollte ein Klima geschaffen werden, wo ständige Erreichbarkeit nicht vorausgesetzt wird und im Büro auch unterbrechungsfreies Arbeiten möglich ist. Hierzu müssen auch Vorgesetzte als Vorbilder und verständnisvolle KollegInnen eingebunden werden.

Saisonarbeit als Krankmacher oder als Lebensstil?

In der Baubranche ist die Arbeit aufgrund der Witterung nicht über das Jahr gleich verteilt. Während im Sommer überall Baustellen entstehen, ist bei Eis und Schnee damit Schluss und das gewerbliche Personal geht in Winterpause. Viele MitarbeiterInnen nutzen diese Ruhephase im Jahr auch, um bewusst Zeit mit der Familie zu verbringen und in der Firma Schulungen zu besuchen. Diese Zeit der Arbeitslosigkeit kann aber auch mit Unsicherheit und Unterforderung verbunden sein. Gleichzeitig ist die Arbeitsbelastung dann im Sommer am höchsten, wenn andere Familien gemeinsam entspannt auf Urlaub fahren.

Einbindung der MitarbeiterInnen als Erfolgsfaktor

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass hohe Anforderungen durch großen Entscheidungsspielraum leichter ausgeglichen werden. Ist daher Schichtarbeit aufgrund der Auftragslage erforderlich, sollte darauf geachtet werden, dass die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen in die Dienstplanerstellung und die Einteilung der Partien miteinbezogen werden. Wenn es möglich ist, die Arbeitszeit von ÄrztInnen zu reduzieren, kann mit entsprechendem Willen auch am Bau ein gesundes Klima mit passenden Arbeitszeiten für alle AkteurInnen geschaffen werden.

 

ein Artikel von Veronika Jakl

im Magazin "Gesunde Arbeit" 02/2015

www.gesundearbeit.at/arbeitszeit

 

Veronika Jakl

Meine Ausbildungen:

  • * Zertifizierte Arbeits- und Organisationspsychologin
  • * Personalpsychologin
  • * Trainerin in der Erwachsenenbildung
  • * Zertifiziert als LEGO(R) SERIOUS PLAY(R) Facilitator

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